Freitag, 17. September 2021

Nelkenduft auf Sansibar


Salme, Tochter von Sultan Sayyid Said (1866)



 Allein der Name Sansibar lässt die Herzen von Weltenbummlern und anspruchsvollen Urlaubern höher schlagen. Das Flair dieser exotischen Insel vor der Küste Ostafrikas zieht jeden Reisenden in seinen Bann und ist genau der richtige Ort, um nach einer Safari in der Serengeti die Seele baumeln zu lassen. Palmengesäumte weiße Strände, azurblaues Meer bis zum Horizont sowie Düfte von Frangipani und Gewürznelken verzaubern jeden Besucher dieses kleinen Paradieses. 

Inmitten der Insel auf dem Weg von der Hauptstadt Zanzibar Town in Richtung Ostküste gibt es sogar noch einen kleinen ursprünglichen tropischen Urwald, Jozani Forest genannt. Dort sollen noch mindestens sieben endemische Tierarten vorkommen, mit etwas Glück läuft einem hier der Rote Sansibar-Stummelaffe über den Weg. Die Straße dorthin wird gesäumt von uralten Mangobäumen, überall werden deren schmackhaften Früchte an kleinen Ständen angeboten. 

An der Ostküste liegen die einzigartigen, weißen Sandstrände von Sansibar und laden ein zum Baden, Schnorcheln und Tauchen.

 Sansibar weckt Erinnerungen an die Pracht der Sultane mit ihren Palästen, aber auch an das Elend des Sklavenhandels.

Die Geschichte der Insel ist vielschichtig, bereits im 7. Jh. siedelten sich dort arabische Händler und im 12. Jh. persische Shirazi an. Sie handelten mit dem einheimischen Volk der Suaheli Gewürze, Gold und Elfenbein und brachten für die  Insel einen sagenhaften Reichtum. Das führte dazu, dass im 15. Jh. die Portugiesen die Insel eroberten und später im 19. Jh. die Omanis. 

Der Sultan Sayyid Said erkannte schnell das ökonomische Potential und verlegte die Hauptstadt seines omanischen Sultanats von Muskat nach Sansibar. 

Auch Deutschland war unter Bismarck eine Zeitlang Kolonialmacht dort und zwar ab 1885, wurde dann aber 1890 vom Deutschen Reich im Austausch gegen Helgoland an das britische Kolonialreich abgetreten. Erst 1963 endete das britische Kolonialreich in einer blutigen Revolte und 1964 vereinigte sich Sansibar mit Tanganyika zu Tanzania.

Von besonderem Reiz für Besucher aus Deutschland ist das Schicksal der sansibarischen Prinzessin Salme, eine der ersten emanzipierten arabischen Frauen, die ihr abenteuerliches Leben in Deutschland unter dem Namen Emily Ruete verbracht hat. Sie war die Tochter des ersten sansibarischen Sultans Sayyid Said und einer seiner zahlreichen tscherkessischen Nebenfrauen. Im Jahr 1866 verliebte sie sich in den Kaufmann Heinrich Ruete, Vertreter des Hamburger Handelshauses Hansing & Co. Als sie schwanger wurde, musste sie an Bord eines britischen Handelsschiffes nach Europa fliehen und konnte so der nach moslemischer Tradition drohenden Steinigung entgehen. Ihr Leben verlief nicht ohne schwere Schicksalsschläge, so wurde sie bereits 1870 mit drei Kindern durch einen tragischen Unfall von Heinrich zur Witwe und musste um ihre Rechte schwer kämpfen. Ihre „Memoiren einer arabischen Prinzessin“ galt als die erste Autobiografie einer Araberin und wurde ein großer Erfolg.


In Stone Town, dem Zentrum der Hauptstadt Zanzibar Town mit über 400000 Einwohnern, kann der Besucher auf den Spuren der Prinzessin Salme wandeln. Im Palace Museum, einst prachtvoller Palast der Sultansfamilie, ist ein Raum speziell Prinzessin Salme gewidmet.


Stone Town selbst zählt zum Weltkulturerbe mit seinen zahlreichen weiß gekalkten Steingebäuden in den Gassen der Altstadt und den kunstvoll gestalteten Holztüren.

Die Tradition der typischen Swahili-Tür mit einem senkrechten Balken in der Mitte wird heute ausschließlich noch auf Sansibar gepflegt.

Ein Bummel durch die engen Gassen kommt einem vor wie eine Zeitreise in die Welt der Kalifen und Sultane. Ein freundlicher Guide bietet sich schnell an für ein Trinkgeld den Fremden zu allen gewünschten Sehenswürdigkeiten zu führen. Zum Abschluss sollte man sich einen Sundowner im Africa House, dem schönsten Platz mit Blick aufs Meer in Stone Town gönnen.

 Sansibar wurde reich durch den Export seiner Gewürze, an erster Stelle die Gewürznelke, gefolgt von Vanille, Muskatnuss, Pfeffer, Zimt, Kardamon und Zitronengras. 

Man kann auf Sansibar eine Spice Tour buchen, die einen auf eine der Gewürzfarmen im Inselinneren führt. Dort werden dann Anbau und Ernte verschiedener Gewürze demonstriert.

Nähert sich der Besucher einer Gewürznelken-Plantage, so liegt der schwere und würzige Geruch, betäubend nahezu, wie dicker dunkler Samt in der Luft. So weit das Auge reicht, reihen sich die Bäume mit Trauben von gelbgrünen Knospen. Auf dreibeinigen Holzgestellen waren früher die Sklaven mit der Ernte beschäftigt.

Die Gewürznelken sind die getrockneten Blütenknospen des Gewürznelken-Baumes, der eine Höhe von zehn Metern erreichen kann. Die Knospen werden vor dem Erblühen mit der Hand gepflückt und dann getrocknet. Ätherische Öle mit einem Anteil von bis zu 85% Eugenol verleihen dann den braunen Knospen den charakteristischen Geschmack: was wäre ein Nürnberger Lebkuchen ohne die geschmacksgebende Gewürznelke!

Hinweis auf einen Wissenschaftsroman aus der Welt der Düfte:



Montag, 28. Juni 2021

Humboldt: Südamerikanische Reise: Teneriffa-Mexiko-Vanille

 



Dieses Buch hat mich seit über 30 Jahren fasziniert und zum Reisen und auch zum Schreiben angeregt.
Auch unser Dackel Felix muss an dem spannenden Buch aus der unteren Regalreihe im Wohnzimmer großen Gefallen gefunden haben, davon zeugen unübersehbare Bissspuren am oberen Einbanddeckel.
Alexander von Humboldt beschreibt in diesem Buch in einzigartiger Art und Weise seine Weltreise aus der Sicht eines Geografen und Naturwissenschaftlers. Er beginnt sie zusammen mit seinem Gefährten Bonplan im Juni 1709 in Coruna/Spanien auf der Fregatte Pizarro.
Bereits sein erster Zwischenaufenthalt auf Teneriffa von nur 6 Tagen ist geprägt von seinem Entdeckergeist, indem er den höchsten Berg Spaniens, den Pik de Teyde, besteigt und die Schönheit der Landschaft beschreibt:
 Wenn man ins Tal von Tacoronto hinabkommt, betritt man das herrliche Land, von dem die Reisenden aller Nationen mit Begeisterung sprechen. Ich habe im heißen Erdgürtel Landschaften gesehen, wo die Natur großartiger ist, reicher in der Entwicklung organischer Formen; aber nachdem ich die Ufer des Orinoko, der Kordilleren von Peru und die schönen Täler von Mexiko durchwandert habe, muss ich gestehen, nirgends ein so mannigfaltiges, so anziehendes, durch die Verteilung von Grün und Felsmassen so harmonisches Gemälde vor mir gehabt zu haben.
Angeregt von dieser Reisebeschreibung suchte auch ich diesen Blick im Orotavatal und konnte zumindest beim Anblick von Drachenbäumen und Bananenbüschen Humboldts Eindrücke nachempfinden.
Allerdings hatte inzwischen die Zivilisation für Veränderungen gesorgt. Auch am Fuß des Teyde an der heutigen Seilbahnstation wurde mir die damalige Leistung von Humboldt bei der Besteigung am 26. Juni 1799 bewusst, der oben am Berg übernachten musste und um drei Uhr beim Schein einiger Fackeln die Spitze des Piton erklomm.
Nach den Kanaren führte Humboldt seine Reise nach Venezuela und im Jahr 1800 von Caracas über Cartagena bis zum Orinoko-Gebiet. Anfang 1801 reiste er durch Kuba und 1802 führte ihn sein Forschungsdrang nach Ekuador, wo er mit der Besteigung des Chimborazo bis 400 Meter unter den Gipfel wieder einen bergsteigereschen Glanzpunkt setzte. Schließlich führte ihn 1803 eine Seereise  nach Mexiko, und immer wieder beschrieb er in fesselnder Art und Weise Land und Leute. Im Staate Veracruz interessierte er sich dabei besonders für eine bestimmte Orchideen-Pflanze, die Vanilla Planifolia, deren reife Schoten diesen einzigartigen Duft der Vanille produzierten und daheim zu diesem herrlichen Geschmack in der Schokolade beitrugen. Dabei staunte Humboldt über die mexikanischen Farmer:
 Mich wundert es doch sehr, mit welcher Sorglosigkeit die Bewohner des spanischen Amerikas die Vanille-Kulturen behandeln, wo doch nach wie vor in Europa die höchsten Preise für die Vanilleschoten erzielt werden.
Ich muss gestehen, dass u. a. diese Berichte über die Vanille mich immer wieder zu meinem Lieblingsbuch  haben greifen lassen. Humboldt gelingt es vorzüglich, bei aller wissenschaftlichen Gediegenheit, spannend von seinen Abenteuern zu berichten und den Leser anzuregen.
Für mich folgte daraus, mich wissenschaftlich mit der Vanille zu beschäftigen. So trug das Buch dazu bei, selber einen Wissenschaftsroman zu schreiben, und zwar über den Entdecker der Vanillin-Synthese Wilhelm Haarmann: Der Herr der Düfte-Mit der Vanille zum Multimillionär


Quelle: Gesine Klack, Versmolder Kanon der Literatur (2014)


Dienstag, 10. November 2020

Lieblingsmolekül Vanillin

 

                                                              Vanillin

                           (4-Hydroxy-3-methoxybenzaldehyd)


                                   Mein Lieblingsmolekül ist das Vanillin,  

                                   der Hauptaromastoff der Vanilleschoten.



                                    Wer liebt nicht das Aroma der Vanille ?



                                     Vor 150 Jahren in Berlin,

                                      als Hofmann wurde Präsident,

                                      fand man die Formel Vanillin,

                                      und Haarmann war der Assistent.


                                       Bin der Sache nachgegangen,

                                       erforschte gründlich das Event,

                                       den Doktorhut dann eingefangen,

                                       schrieb alles auf: Rich Man The Lord of Scent.

                                       Björn Bernhard Kuhse


                                        


                                                                                  

                                                        www.amazon.de
                                                                              ISBN:9781539874546




                                    

Donnerstag, 26. März 2020

Jules Verne sah schon Wasser bzw. Wasserstoff als Energieträger



Wasser als Energieträger?

Wasser wird zerlegt durch "grünen" Strom (z.B. aus Windkraft) in "grünen" Wasserstoff und Sauerstoff.
So kann die Windkraft in Wasserstoff gespeichert werden.
Wasserstoff erzeugt mit Sauerstoff umweltfreundlich in Brennstoffzellen Strom für den Antrieb mobiler Einrichtungen (Autos, Eisenbahnen, Flugzeuge usw.).

Ist das alles neu?

Schon im Jahr 1865 schlug Jules Verne in seinem
Roman "Die geheimnisvolle Insel" vor, Wasser bzw. Wasserstoff als Energieträger zu verwenden.
Das Unterwasserboot "Nautilus" verfügte über eine geheimnisvolle Energiequelle, wie sein Kapitän Nemo gegenüber dem Professor Arronax vom Museum in Paris bereits in dem Roman "20000 Meilen unter dem Meer" erklärt:

Es gibt eine starke Quelle, die an Bord herrscht und die die Seele meiner mechanischen Einrichtungen ist: die Elektrizität. Aber meine Elektrizität ist nicht die, die jedermann kennt. Von den Metallen der Erde habe ich nichts entliehen. Das Meer allein gibt mir die Mittel, mit denen ich Elektrizität erzeuge und damit Wärme, Licht und Bewegung.

Fünf Menschen trieben mit einen Freiballon aus Richmond kommend auf eine
Insel im südlichen Pazifik, darunter der Ingenieur Cyrus Smith. Sie gelangen dort über einen unterseeischen Höhleneingang zu dem Unterseeboot Nautilus und wurden
dort von dem todkranken Kapitän Nemo empfangen. 
In dem Buch "Die geheimnisvolle Insel" heißt es:

Alle verließen den Salon, durchschritten die Bibliothek, den Speisesaal und gelangten nach dem Vorderteile in den Maschinenraum, worin die elektrischen Apparate aufgestellt waren, die dem Nautilus gleichzeitig mit der bewegenden Kraft auch Licht und Wärme lieferten.

Vielleicht gibt es bald einen Masterplan der Bundesrepublik Deutschland für
"grünen" Wasserstoff? Japan hat es uns vorgemacht!


Sonntag, 24. November 2019

Hofmann wies den Weg: Wasserstoff rettet das Klima


Wasserzersetzungsapparat nach Hofmann
(Deutsches Museum)
Japan macht es der Welt vor und zeigt mit seinem "Masterplan", wie das Klima gerettet werden kann.
"Grüner" Wasserstoff heisst das Zauberwort und alle anderen in Politik und Industrie haben es verschlafen.
Manche Konzerne überschlagen sich jetzt zwar, gehen aber  wieder mit der nicht nachhaltigen Batterietechnik den falschen Weg, anstatt die Wasserstoff-Technik vorrangig anzutreiben.
Bereits der Chemiker August Wilhelm von Hofmann (1818-1892) hatte den Weg zur Gewinnung von Wasserstoff aus Wasser vorgezeigt, und die Brennstoffzelle liefert jetzt die benötigte elektrische Energie, alles Kohlendioxid-neutral und nachhaltig mit der Bildung von Wasser!
In Japan treibt der Staat die Forschung für Wasserstoff als Energieträger mobiler und stationärer Anwendungen stark voran, dazu gehören Brennstoffzellen und
E-Mobilität. Man berücksichtigt das Kyoto-Protokoll 1997 und das Pariser Abkommen 2015 und strebt einen optimalen Energiemix.
Die Wasserstofferzeugung wird dabei zunehmend grüner. Momentan erfolgt sie noch weitgehend durch Erdgasreformierung mit Methan, das Ziel ist aber im Jahr 2030 die Elektrolyse nur noch mit regenerativen Energiequellen durchzuführen.
Die Zahl der Wasserstoffautos soll von 40000 im Jahr 2020 auf 200000 im Jahr 2025 und 800000 im Jahr 2030 gesteigert werden, das Tankstellennetz ist momentan mit 120 Stationen nahezu flächendeckend. Die Kosten für Treibstoff liegen bei 9,5 € / kg Wasserstoff, der Verbrauch bei 
1,1 kg / 100 km.( Quelle Nachr. a. d. Chemie, Okt. 2019).
Was die PKW-Kosten anbelangt, so wird durch hohe Produktionszahlen ein Preis von 
ca. 20000 € angestrebt. Zu kaufen auch in Deutschland gibt es bereits Wasserstoff-Autos von Toyota, Honda und Hyundai.
In Japan wird die Entwicklung ausgedehnt auf Anwendungen bei Bussen, Lastwagen, Schienenverkehr und Heizanlagen u.a. .
Wann gibt es einen Masterplan für Deutschland, der mutig einen Schritt weitergeht zum Wasserstoff und der Brennstoffzelle?
August Wilhelm von Hofmann hatte einen Weg gezeigt!

 https://cuvillier.de/de/shop/publications/7877-hofmann



Sonntag, 18. August 2019

Vanille kostbarer als Silber? Symrise unterstützt Vanille-Bauern

Vanille (Mauritius)

Schlechte Nachricht für den Vanille-Freund:
Aufgrund geringerer Ernte in den Anbaugebieten auf Madagaskar, La Réunion und den Komoren  zeichnet sich aktuell für die Bourbon-Vanille ein Rekordpreis von 600 Euro pro Kilogramm ab.
Bei einem aktuellen Kilo- Preis für Silber von ca. 450 Euro ist damit zurzeit die Vanille kostbarer als das Edelmetall Silber.
Vor einigen Jahren lag der Preis für Vanille noch bei 40 Euro pro Kilogramm.
Vanille ist inzwischen nach Safran das teuerste Gewürz der Welt und zieht deshalb auch Kriminelle an.
Der Preisanstieg begann schon in den letzten Jahren mit geringeren Ernten bedingt durch Wirbelstürme, in diesem Jahr rechnet der Chef vom Vanille-Exportverband auf Madagaskar, Georges Geeraerts, mit einer um 20-25 Prozent geringeren Ernte (Westfalenblatt, Bielefeld).


50 % der weltweit gehandelten Vanille kommt aus Madagaskar mit Schwerpunkt in der nördlich gelegenen Sava-Region. Madagaskar zählt zu den 10 ärmsten Ländern der Welt.
Das Problem ist in den Vanille-Anbaugebieten aufgrund der hohen Preise ( Ernte in der Sava-Region 2018/19 /00 Mill. US-Dollar) die Kriminalität durch Diebstahl. So bewacht z.B. der Vanille-Bauer Ninot Oclin mit seinem Repetiergewehr und vier Helfern jede Nacht vor der Erntezeit seine Vanille
in dem Bergdorf Mandena ( Finbart O´Reilly, Geo 8/2019). Die Diebe schrecken selbst vor einem Mord nicht zurück, um an die noch grünen Schoten zu kommen, die Gefängnisse sind mit Jugendlichen überfüllt.
"Es besteht die Gefahr, dass die Bauern nur noch Vanille pflanzen, andere Nutzpflanzen vernachlässigen und in Armut stürzen, sobald der Vanillepreis gesunken ist.
Symrise, ein in Holzenden ansässiger globaler Anbieter von Geschmacks- und Duftstoffen, unterstützt Bauern, darunter Ninot Oclin, mit Bildung-und Finanzprogrammen. Das Unternehmen kauft Vanille direkt vom Erzeuger , unter Umgehung der Zwischenhändler.
Alban Bonnet-Casson, ein Symrise Manager in Sambava, in Anspielung auf die die  althergebrachte Händlermacht unterminierende Strategie: Aber wir sorgen für Transparenz und Nachhaltigkeit. 
Das Unternehmen ermutigt die Bauern , ihre Schoten nach Herkunft zu kennzeichnen. Symrise bitte Qualitätsprämien, das soll verhindern, dass Bauern die Schoten zu früh ernten, aus Angst vor Dieben." ( Finbart O´Reilly, Geo 8/2019)

Buchempfehlung über Vanille:

Wilhelm Haarmann has been interested in the all the different odors around him since childhood. He was especially interested in the scent of vanilla, which was purported to have had an erotic effect as far back as the Aztec culture. He studied chemistry and committed himself to the study and research of the vanilla aroma. He made his breakthrough with the discovery of the vanillin formula and founded the first aroma factory worldwide in 1874. Wilhelm produced other aromatic substances and became a multimillionaire. He steered his business through times of turmoil and ran into a lot of interesting people. He sought inner peace and strength at the Monastery of Corvey.







Mittwoch, 19. Juni 2019

Königin Victoria trifft W. Hofmann in Bonn




Die Begegnung von August Wilhelm Hofmann mit
Königin Victoria in Bonn ist belegt durch Ferdinand Tiemann:
(Ber. d. D. chem. Ges. 25, II, 3386 (1893).
Sie wird nachgestellt in dem wissenschaftlichen Roman "Hofmann".












Voller Inbrunst lauschte der erst 27 Jahre alte Privatdozent für Chemie an der Alma Mater Bonnensis der göttlichen Musik von Ludwig van Beethoven. Ein Konzert – seine Neunte - zu Ehren des Geburtstages des Musikers hier in Bonn vor 75 Jahren. Auf dem Münsterplatz hatten sie soeben sein Denkmal enthüllt. Vor ihm funkelte der herrliche Riesling im Glas, und Hofmann war zufrieden mit seinem Dasein. Den mutigen Wechsel von Gießen nach Bonn hatte er bislang noch nicht bereut, nur eines gab ihm doch immer wieder einen Stich. Er fühlte sich hier  ohne seine Braut Helene einsam. Doch für einen eigenen gemeinsamen Haushalt reichte das Geld noch nicht. Gerade einmal 12 Studenten hatte er in seiner Vorlesung über Agrikulturchemie, das brachte knapp  70 Taler im Semester.
Unentwegt musste er an Helene denken und wälzte sich vor Sehnsucht nachts im Schlaf. So konnte es eigentlich nicht weitergehen. Dabei hatte sein Schicksal ihm bereits wieder einen Fingerzeig gegeben. Er trug den speziellen Brief aus London immer noch in seiner Jacke, hatte aber seine Bedeutung noch nicht so recht erkannt. Sein Gönner Liebig steckte wohl dahinter, jetzt bot er ihm sogar einen Weg nach London an.
Hier in Bonn war er beruflich frei und konnte seine Forschungsambitionen weiter verfolgen. So ließ sich eines Tages beim Erhitzen von Steinkohlenteer Benzol nachweisen. Sofort kam ihm eine Idee im Hinblick auf Anilin. Dieses Thema hatte ihn nie losgelassen, er war dabei, einen Weg zu finden, das Anilin aus Benzol herzustellen.
Auch die Vorstellung, dass das Anilin vielleicht im Farbstoff Indigo enthalten sei, führte ihn gedanklich auf eine neue Fährte. Einen Farbstoff wie Indigo in der Retorte zu zaubern, das war doch gar nicht mehr so undenkbar!
Er trank das Glas Wein aus und machte sich etwas müde auf den Heimweg zu seinem Privatlabor im Hinterzimmer seiner Wohnung. In seinem Kopf entstand schon wieder eine neue Versuchsanordnung.
Hofmann hörte die Wohnungsklingel und reagierte etwas unwirsch. Wer mochte jetzt an der Wohnungstür stehen, wo er sich doch gerade  in seinen Laborraum zurückgezogen hatte, um ein wichtiges Experiment durchzuführen. Sein Forschergeist war geweckt und er wähnte sich auf der Spur der Muttersubstanz der Farben.
„Eine Zumutung", grummelte er vor sich hin und betrachtete das elegante Paar, das vor ihm stand.
„Verzeihen Sie die Störung, aber es zog mich mit Macht hierher. Auch ich habe vor Jahren hier als Student gewohnt, und meine Frau würde so gern einen Blick in diese Wohnung werfen, wenn Sie gestatten."
Völlig überrascht ordnete Hofmann seine Frisur, öffnete ein Fenster und glättete die zerdrückten Kissen und war zur Präsentation seines Labors bereit.Das Lächeln der Dame war entwaffnend und so machte Hofmann mit einer höflichen Geste die Tür zum Nebenzimmer frei.Zu seiner Überraschung hörte er von dort englische Laute, stand er doch gerade jetzt in Verhandlungen mit England über eine mögliche Berufung.So fragte er ein wenig neugierig:
„Erlauben Sie mir die Frage, kommen Sie  vielleicht aus England?"
Beide lachten spontan, was Hofmann etwas irritierte, was war an seiner Frage denn lächerlich?Der Herr konnte wohl seine Gedanken lesen und erwiderte:
„Wir bitten um Nachsicht, wir haben uns gar nicht vorgestellt, ich bin Prinz Albert von Coburg und dies ist meine Gattin Victoria, Königin von England.Wir kommen immer zum Beethoven-Festival nach Bonn und wohnen beim preußischen König auf Schloss Augustusburg zu Brühl."
Hofmann war wie vom Donner gerührt und wäre am liebsten in der Erde versunken. Wie verhält man sich gegenüber einer Königin,  die außerdem noch so hübsch aussah? Was bietet man an?
Doch sie erlöste ihn von seiner Verlegenheit, indem sie spontan zu seinen Apparaturen eilte und ihn neugierig fragte:
„Was machen Sie hier?"
„Ich nitriere Benzol, um Anilin herzustellen."
„Ich kenne kein Benzol!"
Hofmann gab eine Erklärung.
„Ich kenne kein Anilin!"
Hofmann gab eine Erklärung.
Er war begeistert, daß die Königin ein solches Interesse  an seiner Arbeit hatte.
Hofmann experimentierte und ließ Wasserstoff imStatus nascendieinwirken.
Auch das musste er erklären.
Es bildete sich das Anilin, der Geruch war unverkennbar.
Zwei braune Augen schauten ihn bewundernd an.
Hofmann wurde verlegen, es lag wohl an den braunen Augen der Königin.
Er dachte plötzlich an den Brief aus London, vielleicht sollte er sich intensiv damit befassen!