Donnerstag, 29. März 2018

Hofmann schreibt Erinnerungen an vergangene Freunde wie Adolph Wurtz


Adolph Wurtz (1817-1884)


Hofmann galt inzwischen als begnadeter Redner, geradezu berühmt wurde er durch seine Gedächtnisreden nach dem Tod lieber Freunde.
Dazu zählten:
Thomas Graham
Gustav Magnus
Justus von Liebig
Alphons Oppenheim
Heinrich Puff
Paul Mendelssohn Bartholdy
Hermann von Fehling Friedrich Wähler
Jean-Baptiste-André Dumas
Quintino Sella
Adolph Wurtz




Im Jahr 1888 entschloss sich Hofmann, diese Gedächtnisreden in 3 Bänden zu veröffentlichen:
"Zur Erinnerung an Vorangegangene Freunde", Druck u. Verlag Friedrich Vieweg u. Sohn, Braunschweig, 1888.
Das Buchprojekt bestand aus einer Sammlung Hofmannscher Gedächtnisreden hochrangiger Wissenschaftler mit kunstvollen Portraitzeichnungen von Julius Ehrentraut.

Spontan kam Hofmann die Idee, seine erlauchte Schülerin und Kaiserin Friedrich,welche der Wissenschaft und ihren Pflegern stets ein so warmes Interesse entgegenbrachte, um die Widmung seines Buches zu bitten. Die Kaiserin nahm freudig an und schrieb dann später im Königlichen Schloss Kiel u.a.:

Vor einigen Tagen sind mir die Bände Ihres neuerschienenen Werkes: „Zur Erinnerung an vorausgegangene Freunde“, zugegangen....
Wie passen Inhalt und Titel zu meiner Stimmung. Einige unserer Lieben wurde es vergönnt, den Lohn ihrer Mühen, das Resultat ihres Denkens und Schaffens zu sehen....Andere aber  wurden abberufen, als sie am nöthigsten schienen...
Sie selbst haben in ihrem Leben viel gelitten und viel verloren, haben an Gräbern gestanden, die ihr ganzes irdisches Glück bargen....
Sie kennen meine Liebe zur Natur, meine Begeisterung für die Wissenschaft und mein tiefes Interesse an ihren Forschungen; daher hat mich die Widmung ihres Buches mit wehmütiger Freude erfüllt, und ich bin stolz, meinen Namen auf der ersten Seite des Buches eingeschrieben zu lesen.
stets Ihre Victoria, Kaiserin und Königin Friedrich







Sonntag, 25. Februar 2018

Hofmann trauert um Justus Liebig

Denkmal von Liebig (München)


Das Jahr 1873 sollte für Hofmann ein trauriges  Ereignis bereithalten.
Aus seiner Korrespondenz mit seinem väterlichen Freund Liebig war er schon ein wenig vorbereitet worden, dass dessen Lebensuhr langsam ablief.
Es fing schon damit an, dass Liebig den Wunsch äußerte, einen Roman zu schreiben, um die Erfahrungen seines Lebens aufzuzeichnen und die vergangenen Zeiten möglichst anschaulich darzustellen. 
Allerdings blieb es bei nur wenigen biographischen Aufzeichnungen.
Im Jahr 1870 stellte sich dann eine Hirnhautentzündung ein, begleitet von Schmerzen, Fieber und verstärkter Schlaflosigkeit, unter der er schon immer gelitten hatte. 
Hofmann riet ihm dringend, endlich auf das „Schlafpulver“ zu verzichten.
Liebig hatte Todesahnungen, verfasste sein Testament und bedachte alle Freunde mit Andenken. 
Er ließ für sich einen Sarg zimmern, der von den Schreinern auf den Dachboden transportiert wurde. Bei der Gelegenheit entdeckte er dort einen zweiten Sarg. Seine Frau hatte ihn für sich anfertigen lassen.
Im nächsten Jahr ließen die Kräfte weiter nach, besonders beunruhigte ihn sein nachlassendes Gedächnis. Trotz aller Beschwerden hielt er noch seine Vorlesung im Wintersemester.
Im Frühjahr verschlechterte sich sein Zustand und er litt besonders unter der Schlaflosigkeit, was er in einem Brief an Wöhler beklagte:

Ob man wohl im Alter an Schlaflosigkeit, ohne eigentliche Krankheit, zugrunde geht?
Es ist das vegetative Leben, der Ersatz in der Nacht, der, wenn er fehlt, die Lampe allmählich zum Verlöschen bringt.“

Seine Lampe erlosch am 18. April 1873.

Für Hofmann war es tröstlich, dass sein Freund auf den Tod vorbereitet war, denn für ihn hatte das Leben seinen Sinn verloren, wenn die Schwächen von Körper und Geist ihn zur passiven Leidenshaltung verurteilten.

Nun sah Hofmann es als seine Aufgabe an, das Gedenken an den großen Chemiker Liebig mitzugestalten.

Samstag, 27. Januar 2018

Hofmann bei Kaiser Wilhelm I


Kaiser Wilhelm I (1797-1888)


Kaiser Wilhelm benötigte gelegentlich Hofmanns Dienste, dazu wurde er in den Palast gerufen. 
Es ging eines Tages um die Luft, und zwar um die Luftverflüssigung, die in nichtwissenschaftlichen Kreisen für einige Aufmerksamkeit gesorgt hatte.
Auch der Kaiser war neugierig geworden auf die merkwürdige Entdeckung und bat Hofmann um einen Experimentalvortrag über die Verflüssigung von Gasen bei einer Abendgesellschaft im Palais.
Hofmann folgte der Aufforderung des Kaisers, dachte aber nicht daran, direkt Luft zu verflüssigen wegen des dafür notwendigen technischen Aufwands, sondern beschränkte sich auf die Kohlensäure in Kombination mit Chloräthyl, das leicht zu verflüssigen ist. 
Sein Assistent Dr. Will führte dann den Versuch durch im Beisein der kaiserlichen Familie.
Hofmann war immer wieder beeindruckt von der herzlichen Freundlichkeit des Kaisers.
Nach Abschluss des Versuches kam es dann zu einem kleinen Zwischenfall, der alle-außer natürlich den Betroffenen- amüsierte.
Als die Damen und Herren anschließend an den Versuchstisch herantraten, um die feste Kohlensäure zu begutachten, hatte der Assistent den Kaiser darauf aufmerksam gemacht, dass man Kohlensäurebrocken nur lose zwischen den Fingern halten darf, weil sonst die Haut zu stark abgekühlt wird.
Promt nahm Graf von der Goltz, der nicht zugehört hatte, ein Stück in die Hand.
„Sie müssen fester zufassen, lieber Graf“, sagte der Kaiser, „sonst fühlen Sie nicht.“
Der Graf gehorchte, man hörte einen Aufschrei und allgemeine Heiterkeit brach aus.
Nach Abschluss der Vorführung setzte man sich nieder zum Tee, und der Kaiser gab erneut eine Kostprobe seines Humors.
Hofmann hatte diesmal bewusst vermieden, beim Experimentieren unangenehme Düfte zu verbreiten im Gegensatz zu früheren Versuchen. Doch ganz ohne den Einsatz von Äther zum Kühlen ließ sich die Verflüssigung nicht durchführen.
„Wir sind“, sagte der Kaiser beim Tee, „unserem Hofmann noch zu besonderem Dank dafür verpflichtet, dass unsere Nasen während des ganzen Versuches so glimpflich davongekommen sind. Ein wenig“, fügte er mit dem Finger schalkhaft drohend hinzu, „ein wenig hat es doch nach Hofmann´schen Tropfen gerochen.“
Der Kaiser hatte also den Äther erkannt, immerhin ein wesentlicher Zusatz in dem alten Hausmittel Hoffmann´sche Tropfen.




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Freitag, 22. Dezember 2017

Hofmann spricht über Berliner Blau


The Blue Boy (Gainsborough)

Hofmann war ein begnadeter Redner, das wußte die Welt der Wissenschaft zu schätzen und gab ihm viele Gelegenheiten zum Vortragen.
Das Thema der Alchemie fand er immer schon spannend, z.B. die Kunst der Goldmacherei und die Suche nach dem Stein der Weisen.
Am 2. August 1882 hatte er auf der Feier des Stiftungstages der militärärztlichen Bildungsanstalten die Gelegenheit über das Thema

Berliner Alchemisten und Chemiker zu sprechen.
Hofmann begründete  sein Eingehen auf die Alchemisten damit, dass sie vorwiegend im Raum Berlin auftraten und sich in ihren Arbeiten mitunter die Keime wertvoller chemischer Entdeckungen befanden.
Während der König noch an goldene Berge glaubte, die sich nach kurzer Zeit alle in Luft auflösten, gab es auf dem Gebiet der Farben bereits handfeste Entdeckungen wie das Berliner Blau.
Anfang des 18. Jahrhunderts wollte der Farbenkünstler Diesbach in Berlin eigentlich den roten Florentiener Lack zum Färben bereiten, indem er einen Absud von Cochenille in Alaun mit Eisenvitriol und Kali versetzte. Die Kalilauge war verunreinigt und bewirkte eine völlig andere Reaktion, es entstand ein blauer Farbstoff, der nach Berlin benannt wurde und große Bedeutung in der Industrie erlangen sollte.  
Es stellte sich die Frage, wie das Berliner Blau aus Eisen, Kohlenstoff und Stickstoff entstehen konnte, und dabei fanden die Chemiker heraus, dass dahinter eines der schönsten Salze verborgen war, dessen Gewinnung den Chemikern jemals gelang.
Es war das gelbe Blutlaugensalz, das in großen, honiggelben Oktaedern kristallisiert.
Da man es aus dem Berliner Blau herstellen konnte, nannte man es auch
Preußisches Kalisalz.
Man fand heraus, dass dieses schöne Salz sich beim Erhitzen von tierischen Substanzen, Fleisch, Haaren, Horn und verkohltem Blut mit Potasche und Eisen wie ein Juwel bildete.
Hofmann reizte es, der Gesellschaft die ungewöhnliche Herstellungsmethode des Blutlaugensalzes vor Augen zu führen:

Haben Sie jemals darüber nachgedacht,  - fast nehme ich Anstand, an diese hochansehnliche Versammlung eine so lederne Frage zu richten,  - haben Sie jemals darüber nachgedacht, was aus den alten Schuhen und Stiefeln wird, die wir alljährlich wegstellen? Ihre Mission ist noch nicht zu Ende. Langsam geröstet werden sie, was man Schlappenkohle nennt, welche , mit Eisen und Potasche geschmolzen, wie der Phönix aus der Asche , als gelbes Blutlaugensalzaus dem Schmelztiegel des Fabrikanten hervorgeht. Noch ein Process, welcher zum zweiten Male Eisen zuführt, und wir sehen,  - o, der Wandlung! – was einst altes Schuhwerk war, auf den Gewändern unserer Frauen und Jungfrauen in der Form von Berlinerblau wieder erscheinen!

Das Berliner Blau wurde aufgrund seiner großen Farbstärke für Aquarell-, Öl- und Druckfarben verwendet. In der Ölmalerei setzten es die Maler Gainsborough, Monet und Munch ein.

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